Auf die Gefahr hin, dass mich wütende Shure-SM7B-Jünger mit glühenden Fetheads bewerfen, wollte ich doch mal das für mich große Mysterium der Verbreitung dieses Mikrofons in der Podcastwelt beleuchten.
Vielleicht ist „beleuchten“ auch schon zu viel gesagt. Das hier hat weder einen wissenschaftlichen noch irgendeinen erzieherischen Anspruch. Ich möchte einfach mal den Hottake loswerden, dass sich meiner Meinung nach niemand (und ich meine wirklich niemand) aufgrund von klanglichen Blindtests für ein Shure SM7B als Podcast-Mikro entscheiden würde. Und dafür müsste man es nicht einmal mit kostspieligen anderen Studiolegenden vergleichen, sondern lediglich mit deutlich preisgünstigeren Alternativen.
Denn böse Zungen könnten behaupten, das Shure SM7B sei ein klobiges, schweres, leicht mumpfig klingendes und teures Mikrofon mit obendrein einem, sagen wir mal, speziell platzierten XLR-Anschluss, der in manchen Stativkonstellationen für Probleme sorgen kann.
Ein weiterer und wichtiger Punkt ist der relativ geringe Ausgangspegel. Das SM7B benötigt ordentlich Verstärkung. Shure empfiehlt für typische Sprachaufnahmen rund 60 dB Gain. Hat man nun kein besonders hochwertiges Audiointerface oder keinen sonderlich rauscharmen Mikrofonvorverstärker zur Hand, muss man diesen entsprechend weit aufdrehen. Und damit unter Umständen nicht nur das gewünschte Sprachsignal, sondern auch das Rauschen der eigenen Aufnahmekette. Plötzlich ist man also nicht nur Besitzer eines recht teuren Mikrofons, sondern darf sich auch noch Gedanken über einen zusätzlichen Vorverstärker in Form von Cloudlifter, Fethead und Konsorten machen. Ein bisschen wie beim Drucker: Das eigentliche Gerät ist erst der Anfang der Ausgaben. :)
Ich mag den Look ja selbst. Aber das ist halt nicht alles.
Ich will dem SM7B gar nicht absprechen, dass es ziemlich fancy aussieht. Ganz im Gegenteil: Das Design ist wirklich gelungen. Eine kleine Randnotiz dazu: Das ikonische Äußere geht auf Gerry Plice zurück, einen Mikrofonentwickler bei Shure, der dafür sogar ein Designpatent erhielt. Das Ding wurde also nicht zufällig zu einer Designikone.
Und das dürfte auch einer der Gründe sein, warum es außerhalb von Blindtests so beliebt ist. Es hat einen enormen Wiedererkennungswert. Man sieht es in Studios, auf YouTube und bei Podcastern. Irgendwann gehört es fast selbstverständlich zum Bild eines professionellen Podcast-Setups. Ein bisschen Herdentrieb, ein bisschen Statussymbol und eine ordentliche Portion Gear-Porn.
Und ganz ehrlich: Ich kann das sogar verstehen. Ein schönes Mikrofon ist eben nicht nur ein Werkzeug, sondern darf auch Spaß machen. Es ist nur leider kein Argument dafür, dass es automatisch die beste Wahl für den eigenen Anwendungsfall ist.
Man könnte mit viel Wohlwollen Shure allerdings zugutehalten, dass sie mit ihrer neuesten Iteration des Studio-Klassikers dem Problem des geringen Ausgangspegels entgegengewirkt haben. Das SM7dB besitzt einen integrierten aktiven Vorverstärker, der externe Helferlein wie den Cloudlifter oder die eingangs erwähnten Fetheads überflüssig macht. Technisch also durchaus ein Fortschritt. Dass man sich die Korrektur einer der größten Schwächen des eigenen Mikrofons allerdings mit satten 130 € Aufpreis bezahlen lässt, ist wirtschaftlich natürlich auch nicht ganz ungeschickt. Puh! Irgendwie wird’s nicht besser. Aber: Well played, Shure. Well played.
Ein König und seine sieben Herausforderer
Ich will wirklich niemandem den Spaß an seinem Mikrofon verderben. Und ich finde auch nicht, dass das SM7B zwangsläufig und grundsätzlich ein schlechtes Mikrofon ist. Ich möchte lediglich bei allen Unentschlossenen den Gedanken anregen, dass man für den Preis eines SM7dB sage und schreibe sieben RØDE PodMics kaufen kann (und sogar noch 4 Euro Wechselgeld zurückbekommt, wenn wir die aktuellen Thomann-Preise zugrunde legen).

Bild mit Hilfe von KI erstellt
Fun Fact am Rande: Ich habe länger über ein Wortspiel mit SM7B und den sieben PodMics nachgedacht, als ich für diesen ganzen Artikel gebraucht habe. Und das auch noch ohne Ergebnis.
Ich mache das mit dem Audiokram jetzt seit über 25 Jahren. Und es gab schon immer das eine oder andere Tool oder Gerät, das eine enorme Verbreitung fand und eine Art Kultstatus erreichte. Mal mehr, mal weniger gerechtfertigt.
Vielleicht ist das SM7B auch einfach der Beweis dafür, dass gutes Marketing, ein ikonisches Design und die richtigen prominenten Nutzer manchmal mehr wert sind als ein paar Dezibel Ausgangspegel. Und bevor das falsch verstanden wird: Ich finde das völlig legitim. Ein Mikrofon darf auch schön sein. Es darf Spaß machen und es darf ein bisschen Statussymbol sein. Man sollte nur nicht zwangsläufig versuchen, sich den Kauf hinterher mit technischen Argumenten schönzureden.
Happy Podcasting!





